GSC & Bing Webmaster Tools 2026: Neue KI-Funktionen im Vergleich – Teil 3
Google und Bing zeigen jetzt erstmals direkt, wie oft und wo Website-Inhalte in KI-Antworten zitiert werden. Damit ergänzen Klicks und Impressionen jetzt eine neue Metrik: die Sichtbarkeit innerhalb von KI-generierten Antworten selbst.
Vor gut einem Jahr haben wir in den ersten beiden Teilen dieser Artikelreihe erklärt, warum die Google Search Console und die Bing Webmaster Tools für eine langfristige SEO-Strategie unverzichtbar sind.
Während es im ersten Teil um den grundsätzlichen Blick der Suchmaschinen auf eine Website ging, beschäftigte sich Teil 2 vor allem mit der erweiterten Datenhistorie von 16 Monaten und wie man diese Informationen für Entscheidungen nutzen kann.
Seitdem hat sich einiges getan, denn die beiden Flakschiffe im Bereich der Suchmaschinenauswertung schlafen natürlich nicht. Google und Microsoft zeigen inzwischen nicht mehr nur Klicks, Impressionen, Suchbegriffe und technische Fehler einer analysierten Domain bzw. Webseite an. Beide Anbieter beginnen damit, auch die Sichtbarkeit von Websites innerhalb generativer KI-Antworten messbar und auswertbar zu machen.
Genau das verändert die tägliche Arbeit mit diesen Werkzeugen erheblich, denn die KI, „Single Turn Interaktionen“ und die zunehmende „Zero Click Suche“ verändern das Suchverhalten tiefgreifend und nachhaltig. Auch das „One-Shot-Prompting” nimmt bei tieferen Recherchen entsprechend zu.
Eine Frage an „Copilot“, „ChatGPT“, „Perplexity“ oder „Gemini“ beziehungsweise einen anderen Desktop-KI-Assistenten reicht vielen Nutzern inzwischen aus, die klassische Google-Suche findet danach gar nicht mehr statt. Aber ohne Auswertung oder auch nur den Hauch einer Idee hinsichtlich der Nutzung sind wir buchstäblich „im Blindflug“ unterwegs.
Google erkennt Themen statt einzelner Suchbegriffe
In der Google Search Console wurden Suchanfragen lange ausschließlich einzeln betrachtet. Wer kennt nicht mehr die Anwendung von Singular und Plural auf Pager-Seiten in Headlines, Wortarten und minimale Unterscheidungen, um die Suchmaschinen maximal zum Ranken zu bewegen. Das führte schnell zu umfangreichen Listen mit ähnlichen Begriffen, unterschiedlichen Schreibweisen und leicht veränderten Fragestellungen.
Mit den neuen Anfragegruppen fasst Google ähnliche Suchanfragen nun automatisiert zusammen. Die Basis daraus haben wir erstmals vor vielen Jahren bereits in den „Google-Trends“ und der „Keyword-Analyse“ gesehen. Bereits vor mehr als 10 Jahren wurden dort schon „Themen-Keywords“ zur Analyse bereitgestellt. Hier war es themenabhängig eben egal, denn Auto, KFZ, Fahrzeug, PKW und SUV, Van oder Limousine wurden gleichermaßen berücksichtigt. Aus mehreren Suchbegriffen mit derselben Absicht entsteht dadurch eine gemeinsame Themengruppe. Die Search Console zeigt, wie viele Klicks die gesamte Gruppe erzeugt und welche konkreten Suchanfragen darin enthalten sind.
Das erleichtert vor allem die redaktionelle Arbeit. Statt einzelne Keywords isoliert zu optimieren, lässt sich besser erkennen, welche Fragen und Themen für Nutzer tatsächlich relevant sind. Das alles bereitet die solide Basis für Informationen mit Expertise und Tiefgang (als Teil der E-E-A-T).
Google erstellt diese Gruppen mithilfe von KI, wie sollte es auch anders sein. Sie können sich deshalb im Laufe der Zeit verändern und stehen vor allem Websites mit einem entsprechend hohen Suchvolumen zur Verfügung.
Kennen die Nutzer das Unternehmen bereits?
Eine besonders interessante Ergänzung für Corporate Websites ist der neue Filter für markenbezogene Suchanfragen.
Damit unterscheidet Google automatisch zwischen Suchanfragen, die einen Unternehmensnamen, eine Marke oder ein zugehöriges Produkt enthalten, und allen übrigen Suchanfragen.
Das klingt zunächst nach einer kleinen Erweiterung, beantwortet aber eine wichtige Frage:
Wird meine Website hauptsächlich von Menschen gefunden, die das Unternehmen bereits kennen, oder erreicht sie auch neue Interessenten?
Markenbezogene Suchanfragen zeigen häufig, wie stark ein Unternehmen oder ein Produkt bereits bekannt ist, man spricht hier von der „brand awareness“. Nicht markenbezogene Suchanfragen sind dagegen ein wichtiger Indikator dafür, ob die Website auch bei allgemeinen Problemen, Leistungen und Themen sichtbar wird. In den meisten Fällen ist das die Zielgruppe, die man erreichen will: „Neukunden“
Gerade bei einer langfristigen SEO-Strategie sollten beide Bereiche getrennt betrachtet werden. Eine steigende Zahl von Markensuchen ist erfreulich. Nachhaltiges organisches Wachstum entsteht jedoch vor allem dann, wenn neue Nutzer das Unternehmen auch ohne vorherige Markenkenntnis finden.
Der Filter wurde im November 2025 angekündigt und ist seit März 2026 für alle infrage kommenden Websites verfügbar. Voraussetzung sind unter anderem eine Property auf oberster Ebene und ein ausreichendes Suchvolumen. Sobald Google die „Marke“ vom Rest unterscheiden kann, ist der Filter „Suchanfrage: ohne Markenbezug“ möglich. Damit sieht man dann die Durchdringung in der Zielgruppe, die einen nicht kennt oder die nicht mit Markennamen gesucht hat.
Die Search Console betrachtet inzwischen auch externe Plattformen
Seit Juli 2026 kann Google außerdem eigene Properties für Instagram, TikTok, X und YouTube verwalten.
Damit lässt sich prüfen, über welche Suchbegriffe einzelne Social-Media-Beiträge oder Videos in der Google-Suche und in Discover gefunden werden. Zur Verfügung stehen Leistungsberichte, eine vereinfachte Statistikansicht und die bekannten Meilensteine.
Ansicht GSC mit Social Media Property-Konfiguration
Für Unternehmen wird die Search Console damit zunehmend zu einem Werkzeug, das nicht mehr ausschließlich die eigene Website betrachtet. Auch Inhalte auf externen Plattformen können nun Teil der organischen Suchanalyse werden. Die Funktion wird derzeit schrittweise freigeschaltet.
Endlich können Veränderungen direkt im Diagramm dokumentiert werden
Wer über Monate oder Jahre mit Daten der Search Console arbeitet, kennt das Problem:
Die Kurve verändert sich deutlich, aber später weiß niemand mehr genau, was an diesem Tag passiert ist. War es ein Relaunch? Wurde eine neue Seitenstruktur veröffentlicht? Gab es eine technische Störung oder wurde ein umfangreicher Inhaltsbereich überarbeitet? Daher hat man dann als SEO-Spezialist je Kunde eine Excel-Liste geführt und dort die Daten peinlich genau dokumentiert, an denen Änderungen passiert sind. Ob das nun ein neuer Bereich war, der live gegangen ist, eine ganze Webseite, neue Auszeichnungen von strukturierten Daten, Hinzufügen von technischen Erweiterungen oder nur eine einfache Anpassung in der URL-Struktur, die mit 301ern überbrückt wurde …
Seit November 2025 können solche Ereignisse direkt als Anmerkung im Leistungsdiagramm hinterlegt werden. Google erlaubt kurze Notizen mit Datum, die für alle Nutzer der jeweiligen Property sichtbar sind. Der größte Vorteil daraus ist, dass diese Markierungen automatisch an die Zeitleiste im dargestellten Graphen angepasst werden. Damit „übersieht“ man gerade ältere Anpassungen nicht so leicht.
Dadurch lassen sich dann Ereignisse direkt mit der späteren Entwicklung der Sichtbarkeit verbinden.
Das ersetzt natürlich keine eigene Projektdokumentation! Für die tägliche Auswertung ist die Funktion aber ausgesprochen hilfreich, weil Maßnahmen und mögliche Auswirkungen nicht mehr getrennt voneinander betrachtet werden müssen.
Google zeigt erstmals Sichtbarkeit in generativen KI-Funktionen
Die größte Veränderung betrifft jedoch die generative Suche.
Seit Juni 2026 führt Google eigene Leistungsberichte für generative KI-Funktionen ein. Dazu gehören unter anderem die Übersichten mit KI, der KI-Modus und generative Funktionen innerhalb von Google Discover.
Der neue Bericht zeigt:
- wie oft URLs einer Website innerhalb generativer KI-Funktionen angezeigt wurden
- welche Seiten betroffen waren
- aus welchen Ländern die Impressionen kamen
- auf welchen Geräten die Darstellung erfolgte
- wie sich die Sichtbarkeit stündlich, täglich, wöchentlich oder monatlich entwickelt hat
Diese Daten waren zuvor lediglich Bestandteil des allgemeinen Leistungsberichts. Mit der eigenen Ansicht wird erstmals deutlicher erkennbar, ob und wie häufig Inhalte innerhalb der generativen Google-Suche erscheinen.
Der Bericht wird aktuell noch für eine begrenzte Anzahl von Websites bereitgestellt. Google möchte die Funktion zunächst testen und später um weitere Messwerte ergänzen. Sollte dieser Teil also in Ihrer GSC noch nicht unter „Leistung“ -> „KI-Suche“ (Original: Search „Generative AI Performance Report“) zu sehen sein, wurden Sie leider noch nicht ausgewählt. Es ist davon auszugehen, dass Alphabet ein Interesse daran hat, erstmal die meistzitierten Quellen in ihrem Produkt GSC darzustellen. Da gehören auch wir als renommierte Agentur leider noch nicht dazu.
Bing zeigt bereits konkrete Zitierungen und Auswertungen in KI-Antworten
Auch Microsoft hat die Bing Webmaster Tools deutlich erweitert und geht inzwischen noch einen Schritt weiter. Mit „Topics“ werden zusammengehörige „Grounding Queries“ thematisch gebündelt. Als Grounding Queries werden die Suchbegriffe und Fragestellungen benannt, mit denen das KI-System nach geeigneten Quellen für die Antwort sucht. Der „Citation Share“ zeigt zusätzlich direkt, wie groß der Anteil der eigenen Domain bzw. Webseite an den erfassten Zitierungen zu einer bestimmten Fragestellung ist. Damit lässt sich besser erkennen, bei welchen Themen eine Website bereits als relevante Quelle herangezogen wird und wo andere Quellen oder Konkurrenten mit ihren Internetseiten häufiger zum Zuge kommen.
Ansicht Microsoft Bing Webmaster Tools: AI Performance (anonymisiert)
Seit Februar 2026 steht dort die Funktion „AI Performance“ als öffentliche Vorschau zur Verfügung. Sie zeigt, wie Inhalte einer Website in Microsoft Copilot, generativen Bing-Zusammenfassungen und ausgewählten angebundenen Angeboten als Quelle verwendet werden.
Dabei geht Microsoft aktuell an einigen Stellen weiter als Google
| Google Search Console | Bing Webmaster Tools |
|---|---|
| Impressionen in generativen KI-Funktionen (wenn bereits verfügbar für die Domain) | Anzahl konkreter Zitierungen (für alle Domains) |
| betroffene Seiten | Zitierungen je URL |
| Länder und Geräte | durchschnittlich zitierte Seiten pro Tag |
| zeitliche Entwicklung | zeitliche Entwicklung der Zitierungen |
| noch keine konkreten Suchfragen | ausgewählte Grounding Queries |
Besonders interessant sind die sogenannten „Grounding Queries“. Sie zeigen ausgewählte Begriffe und Fragestellungen, mit denen das KI-System nach geeigneten Quellen gesucht hat.
Damit wird erstmals nachvollziehbar, bei welchen Themen eine Website nicht nur in klassischen Suchergebnissen erscheint, sondern tatsächlich als Quelle für eine generierte Antwort verwendet wird.
Die Zahlen dürfen allerdings nicht mit einer klassischen Rankingposition verwechselt werden. Eine häufig zitierte Seite ist nicht automatisch besonders weit oben platziert und die dargestellten Grounding Queries bilden lediglich einen Teil der gesamten Aktivitäten ab. Zudem beantwortet dies ja häufig schon die Suchintention. Daher bleibt dann der gewünschte Klick auf die Webseite durch den User häufig ganz aus.
Sichtbarkeit ohne Klick wird messbarer
Die neuen Berichte zeigen, warum sich die Bewertung von Sichtbarkeit verändern muss.
In der klassischen Suche war ein Klick das zentrale messbare Ziel. Bei generativen Antworten kann ein Unternehmen jedoch bereits sichtbar werden, bevor ein Nutzer die Website besucht.
Eine Marke, ein Produkt oder eine fachliche Aussage kann innerhalb einer KI-Antwort genannt und durch einen Link belegt werden. Selbst wenn daraus nicht unmittelbar ein Klick entsteht, kann diese Darstellung Einfluss auf die Wahrnehmung und eine spätere Entscheidung haben. Hier sind wir auch voll im Brand-Marketing!
Google und Microsoft beginnen deshalb, neue Messwerte neben die klassischen Klickzahlen zu stellen. Für Unternehmen bedeutet das nicht, dass bisherige SEO-Kennzahlen unwichtig werden. Sie müssen künftig nur um die Sichtbarkeit innerhalb generativer Suchergebnisse ergänzt werden. Auch eine Gegenüberstellung von „Besucher der Webseiten“ und „Brand-Name in der Ergebnisdarstellung“ wird sicherlich an Relevanz gewinnen.
Bing gibt Websitebetreibern mehr Kontrolle über einzelne Inhalte
Microsoft hat außerdem die Unterstützung für das HTML-Attribut data-nosnippet eingeführt.
Damit können einzelne Bereiche einer Seite von Suchvorschauen und generativen KI-Antworten ausgeschlossen werden, ohne die komplette Seite aus dem Index zu entfernen.
Das kann beispielsweise für veraltete Hinweise, rechtliche Standardtexte, Kommentare, zeitlich begrenzte Aktionen oder bestimmte geschützte Inhalte sinnvoll sein.
Der markierte Inhalt bleibt grundsätzlich indexierbar und kann weiterhin für die Bewertung der Seite verwendet werden. Er soll jedoch nicht als sichtbarer Ausschnitt in Suchergebnissen oder als Bestandteil einer generierten Antwort erscheinen.
Ob Bing eine Änderung bereits verarbeitet hat, lässt sich anschließend über die URL-Prüfung in den Bing Webmaster Tools kontrollieren.
Was sich innerhalb eines Jahres verändert hat
Die Google Search Console und die Microsoft Bing Webmaster Tools bleiben wichtige Kontrollinstrumente für Crawling, Indexierung und klassische Suchmaschinenoptimierung, die aber in weiten Teilen auch die Basis für die Auffindbarkeit in KI-Suchen bildet.
Ihre Aufgabe sowie die Breite und Tiefe der Berichte wird inzwischen aber deutlich größer und teilweise tiefer.
Beide Suchmaschinen-Matadore fügen fortlaufend neue Funktionen hinzu. Und ja, für den ein oder anderen mag das auch wie das ewig unausgesprochene „Gigant-Battle“ sein. Dennoch hilft Google dabei, Suchanfragen thematisch zu gruppieren und sogar die Markenbekanntheit von organischer Reichweite zu trennen, was die Entscheidung für Marketingaktionen und -richtungen beeinflussen kann. Zudem sind wichtige Veränderungen direkt in den Leistungsdaten zu dokumentieren, der schnelle Überblick wird damit sehr viel verbessert.
Im Gegensatz dazu zeigt Microsoft bereits einen Überblick, wann einzelne Seiten als Quelle in generativen KI-Antworten verwendet werden und welche Fragestellungen zu diesen Zitierungen geführt haben. Als Internetagentur rät unser SEO-Team daher allen unseren interessierten Kunden stets, alle verfügbaren Werkzeuge für die Auswertung und insbesondere Bewertung der Internetseiten zu verwenden. Einseitige Betrachtung kann zu schwerwiegenden Fehleinschätzungen beitragen. Das ist zwar viel Aufwand, wenn nicht sogar mehr als das Doppelte, aber es geht eben in verschiedene Detailtiefen, die man alle wissen sollte. SEO ist in der Regel kein „Ratespiel“, sondern echte „Expertise“!
Damit entsteht eine weitere und aktuell noch neue Grundlage für die Optimierung von Corporate Websites, Blogs und Shops. Entscheidend ist nicht mehr nur, ob eine Seite für ein einzelnes Keyword in den ersten Suchergebnissen erscheint. Nein, mindestens ebenso wichtig wird, ob Suchmaschinen und KI-Systeme den Inhalt eindeutig verstehen, fachlich einordnen und als belastbare Quelle verwenden können. Alle dachten, die KI kommt und SEO ist veraltet … Wir sagen dazu, es ist wichtiger denn je!
Genau diese Entwicklung werden wir in den kommenden Monaten für unsere Kunden weiter beobachten, auswerten und in die bestehende SEO- und Content-Strategie integrieren. Auch bei der Schulung von Mitarbeitern entwickeln wir kundenindividuell die Unterlagen und Ziele.
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